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Kriminalität in Neukölln 2026: Zahlen, Bezirksregionen, Trends

Von Jens Rethfeld | 4. September 2026
Kriminalität in Neukölln 2026: Zahlen, Bezirksregionen, Trends © Yasemin Korkmaz
Wohnungseinbruch in einem Berliner Mehrfamilienhaus (Symbolbild)

Schüsse an der Sonnenallee. Drogenhandel im Reuterkiez. Streit an der Hermannstraße. Wer in Neukölln zu Hause ist, hat diese Schlagzeilen oft gelesen.[7] Nur: Wie groß ist das Problem laut Statistik?

Wir haben nachgezählt. Basis sind der Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin (Stand 2025)[1] und die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025[2]. Drei Fragen stehen im Mittelpunkt: Wie steht Neukölln gegen die elf anderen Bezirke da? Wo zwischen Rixdorf, Britz und Rudow passiert am meisten? Und was hat sich über die Jahre verändert?

Was dich erwartet

Straftaten in Neukölln 2025: die Gesamtzahl

Die Polizei zählte 2025 in Neukölln 41.465 Straftaten[1]. 2024 waren es 44.884. Macht 3.419 Fälle weniger, ein Minus von 7,6 Prozent.

Wichtiger ist die Rate pro 100.000 Einwohner. Neukölln kommt 2025 auf rund 12.560. Im Vorjahr waren es 13.600, der Rückgang ist also deutlich. Im Bezirksranking heißt das: Platz 4 von 12.

Eine Aufklärungsquote nur für Neukölln gibt der Kriminalitätsatlas nicht her. Für Berlin insgesamt nennt der PKS-Kurzbericht 44,9 Prozent für 2025. Das sind 0,6 Punkte weniger als 2024 mit 45,5 Prozent.[2]8

Pro 100.000 Einwohner: Was heißt das?

Die Polizei Berlin rechnet in Straftaten pro 100.000 Einwohner. So spielt es keine Rolle mehr, ob ein Bezirk oder eine Bezirksregion viele oder wenige Bewohner hat.[4] Die nackte Fallzahl täuscht leicht. Ein großer Bezirk mit vielen Delikten kann pro Kopf sicherer sein als ein kleiner mit wenigen. Rudow und Reuterstraße vergleichst du deshalb am besten über diese Rate.

Neukölln gegen den Rest von Berlin: Platz 4 im Ranking

Nach Straftaten je 100.000 Einwohner steht Neukölln 2025 auf Rang 4 von 12.[1] Der Bezirk zählt damit zu den stärker belasteten in Berlin. Die Außenbezirke stehen meist klar besser da.

PlatzBezirkStraftaten je 100.000 Einwohner (2025)
1Mitte19.921
2Friedrichshain-Kreuzberg17.879
3Charlottenburg-Wilmersdorf13.162
4Neukölln12.555
5Tempelhof-Schöneberg10.577
6Spandau9.649
7Lichtenberg9.477
8Reinickendorf8.904
9Marzahn-Hellersdorf8.351
10Pankow8.305
11Treptow-Köpenick8.063
12Steglitz-Zehlendorf6.624

Rund 12.560 Fälle pro 100.000 Einwohner. Das ist weniger als in Mitte (rund 19.900) und Friedrichshain-Kreuzberg (rund 17.900). Verglichen mit Steglitz-Zehlendorf, dem sichersten Bezirk, liegt Neukölln aber etwa 90 Prozent darüber.

Welche Delikte Neukölln prägen

Diebstahl liegt vorn. Das ist in ganz Berlin so und in Neukölln nicht anders. Platz zwei gehört mit großem Abstand den Körperverletzungen, Platz drei den Sachbeschädigungen. Die Zahlen im Detail:

DeliktFälle 2025Je 100.000 Einwohner
Diebstahl insgesamt18.9145.727
Körperverletzung insgesamt4.5561.380
Sachbeschädigung4.2001.272
Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung2.182661
Diebstahl an oder aus Kfz4.8161.458
Gefährliche und schwere Körperverletzung1.499454
Wohnraumeinbruch690209
Fahrraddiebstahl1.698514
Rauschgiftdelikte1.104334
Diebstahl von Kraftwagen516156
Branddelikte insgesamt443134
Sachbeschädigung durch Graffiti530160
Raub539163
Straßenraub, Handtaschenraub28787
Brandstiftung15146

Die Kernpunkte:

  • Diebstahl bleibt Spitzenreiter. 18.914 Fälle, das sind rund 46 Prozent aller erfassten Neuköllner Straftaten. 5.332 Fälle drehen sich um Autos (Diebstahl an oder aus Kfz plus Diebstahl von Kraftwagen). Die Aufklärungsquote bei Diebstahl: berlinweit nur etwa 21 Prozent.
  • Körperverletzung leicht rückläufig. 4.556 Fälle nach 4.575, also minus 0,4 Prozent. Berlinweit werden rund 80 Prozent davon aufgeklärt. Der Grund: Opfer und Täter kennen sich oft.
  • Weniger Einbrüche in Wohnungen. 690 Fälle nach 769 im Jahr 2024, ein Rückgang um rund 10 Prozent. In Berlin bleibt ungefähr jeder zweite Einbruch ein Versuch.
  • Neuköllner Mitte/Zentrum und Reuterstraße als Schwerpunkte. Auf diese zwei Bezirksregionen entfallen rund 36 Prozent aller Neuköllner Straftaten 2025. Viele Geschäftsstraßen, viele Verkehrsknoten: Das passt ins Bild.

Wo Neukölln am stärksten belastet ist

Neukölln hat 12 Bezirksregionen.[6] Für jede meldet die Polizei die Fallzahl und die Rate pro 100.000 Einwohner. Du brauchst beide. Die Fallzahl zeigt, wie viel passiert. Die Rate berücksichtigt, wie viele Menschen dort wohnen, und macht Gropiusstadt und Rixdorf erst vergleichbar.

RangBezirksregionFälle 2025Je 100.000 Einwohner
1Neuköllner Mitte/Zentrum7.84420.825
2Reuterstraße6.80718.052
3Köllnische Heide2.40315.939
4Schillerpromenade4.49213.590
5Rixdorf4.81512.321
6Buckow Nord1.20012.305
7Britz2.56511.035
8Britz Nord2.19810.342
9Gropiusstadt West2.06310.198
10Gropiusstadt Ost1.6018.505
11Rudow2.9146.593
12Buckow1.5945.283

Spitzenreiter 2025 ist Neuköllner Mitte/Zentrum. 20.825 Straftaten pro 100.000 Einwohner, 66 Prozent über dem Schnitt des Bezirks. Geschäftsstraßen, Einkaufslagen und dichter Verkehr treffen hier zusammen. Am häufigsten registriert die Polizei Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Die ruhigste Region: Buckow. 1.594 Fälle, 5.283 Straftaten je 100.000 Einwohner. Niedriger liegt in Neukölln kein anderer Wert.

Neukölln über zehn Jahre

Seit zehn Jahren bewegen sich die Neuköllner Fallzahlen in einem Band von 40.347 bis 45.437 pro Jahr. Den Höchstwert gab es 2016 mit 45.437 Straftaten, den Tiefstwert 2021 mit 40.347.

0k16k33k50k45.437201642.520201741.681201843.618201942.870202040.347202142.790202245.313202344.884202441.4652025

Straftaten in Neukölln pro Jahr. Datenquelle: Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin.

Pro Kopf gerechnet sinkt die Belastung. 13.851 Straftaten je 100.000 Einwohner waren es 2016, 12.555 im Jahr 2025. Das sind rund 9 Prozent weniger als vor knapp zehn Jahren. Neukölln ist also im Schnitt nicht unsicherer geworden. Es leben nur mehr Menschen hier.

Tatverdächtige: ein Blick auf ganz Berlin

Achtung, andere Datenebene

Zahlen zu Tatverdächtigen veröffentlicht die Polizei Berlin nur berlinweit. Bezirkswerte gibt es nicht, der PKS-Kurzbericht erscheint einmal im Jahr. Alle folgenden Anteile beziehen sich auf ganz Berlin im Jahr 2025. Auf Neukölln lassen sie sich nicht ohne Weiteres übertragen.

132.279 Tatverdächtige hat die Polizei Berlin 2025 ermittelt[2], im letzten Jahr mit vollständigem PKS-Bericht. Das sind 11.255 weniger als im Vorjahr. Entscheidend ist aber die Tatverdächtigenbelastungszahl: Tatverdächtige pro 100.000 Einwohner. Sie fiel 2025 von 2.958 auf 2.879. Die Zahl der Tatverdächtigen ist also stärker gesunken, als die Bevölkerung gewachsen ist.

Beachtlich bleibt der Anteil reisender Tatverdächtiger. 74,5 Prozent der in Berlin ermittelten Tatverdächtigen wohnen auch in Berlin. Im Vorjahr waren es 69,9 Prozent. Gut ein Viertel kommt also als Tourist, Pendler, Geschäftsreisender oder Reisetäter in die Stadt.

Wie verteilen sich die Tatverdächtigen nach Pass?

Ausländerrechtliche Verstöße bleiben hier außen vor, also Aufenthaltsdelikte und Ähnliches, das nur Nichtdeutsche begehen können. Ohne sie ergibt sich berlinweit 2025 laut PKS-Kurzbericht[2]8:

  • 56,7 Prozent: Tatverdächtige mit deutscher Staatsangehörigkeit
  • 43,3 Prozent: Tatverdächtige mit anderer Staatsangehörigkeit (Vorjahr 2024: 43,9 Prozent)

Je Deliktgruppe weichen die Anteile stark ab. Ausgewählte schwere Delikte:

DeliktgruppeAnteil nichtdeutscher Tatverdächtiger (2025)Vorjahr (2024)
Wohnraumeinbruchdiebstahl75,0 %70,8 %
Raub55,0 %55,3 %
Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte44,3 %44,6 %
Gefährliche und schwere Körperverletzung44,1 %44,3 %
Straftaten gegen die persönliche Freiheit39,4 %39,2 %
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung36,9 %38,4 %

Ein Ausreißer ist der Wohnungseinbruch. 75,0 Prozent der Tatverdächtigen haben keinen deutschen Pass. 56,8 Prozent wohnen nicht in Deutschland. Reisende Täter prägen dieses Delikt seit Jahren stärker als jedes andere.

Migrationshintergrund: Was die PKS nicht zeigt

Die PKS erfasst den Pass. Den Migrationshintergrund erfasst sie nicht. Wer in Berlin geboren wurde und Deutscher ist, zählt als deutscher Tatverdächtiger. Das gilt auch, wenn seine Familie zugewandert ist. Eine Unterscheidung nach Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund ist deshalb nicht möglich.

Längerfristig hilft ein Blick in den Strafvollzug. Wer dort ist, wurde verurteilt, ein bloßer Verdacht reicht dafür nicht. Kurz anwesende Touristen und Geschäftsreisende fehlen in dieser Statistik. Stichtag 31. März 2025: Im Berliner Justizvollzug hatten rund 49 Prozent der Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten keinen deutschen Pass, staatenlos und ungeklärt eingeschlossen[3].

Die Staatsangehörigkeiten der nichtdeutschen Inhaftierten: 60 Prozent europäisch, 21 Prozent asiatisch, 12 Prozent afrikanisch, ein Prozent amerikanisch. Sechs Prozent waren staatenlos.

Auch diese Zahl sagt nur etwas über den Pass. Eine bundesweit einheitliche Statistik der Gefängnisse nach Migrationshintergrund fehlt.

Vorsicht bei der Interpretation

Diese Einordnungen gehören immer dazu, wenn du die Zahlen weitergibst:

  • Ein Verdacht ist kein Urteil. In der PKS stehen Verdachtsfälle, erfasst beim Abschluss der polizeilichen Ermittlungen.[5] Verurteilt ist damit niemand. Bis zum Urteil gilt jeder Tatverdächtige als unschuldig.
  • "Nichtdeutsch" heißt: kein deutscher Pass. Mit Migrationshintergrund hat das nichts zu tun, siehe oben.
  • Die Statistik schließt Touristen, Reisende und Asylsuchende ein. Ein Tourist aus Hamburg, Paris oder Warschau, der beim Ladendiebstahl erwischt wird, landet in der Berliner Statistik. Bei manchen Delikten macht das einen erheblichen Teil der nichtdeutschen Anteile aus. Beispiel Wohnungseinbruch: 56,8 Prozent der Tatverdächtigen wohnen nicht in Deutschland.
  • Alter und Geschlecht machen viel aus. Junge Männer fallen statistisch am häufigsten auf. Die nichtdeutsche Bevölkerung Berlins ist im Schnitt jünger und männlicher als die deutsche. Schon deshalb liegen ihre Anteile bei den Tatverdächtigen rechnerisch höher. Über einzelne Personen verrät das nichts.
  • Angezeigt wird nicht alles. Wie oft Taten gemeldet werden, hängt vom Delikt, vom sozialen Umfeld und vom Viertel ab. Das beeinflusst, was die Statistik überhaupt sieht.

Neukölln und Kriminalität: häufige Fragen

Welche Bezirksregion in Neukölln ist die sicherste?

Buckow. 5.283 Straftaten pro 100.000 Einwohner, so niedrig wie nirgends sonst in Neukölln. Auch die absolute Zahl ist mit 1.594 Fällen die kleinste im Bezirk.

Wo in Neukölln passieren die meisten Straftaten?

In Neuköllner Mitte/Zentrum. 2025 kommt die Region auf 20.825 Straftaten je 100.000 Einwohner. Danach kommen Reuterstraße (18.052) und Köllnische Heide (15.939).

Wie schneidet Neukölln im Berliner Vergleich ab?

Rund 12.560 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Damit liegt Neukölln unter Mitte (19.921) und Friedrichshain-Kreuzberg (17.879). Unter allen zwölf Bezirken ist das 2025 Platz 4. Dahinter folgen Tempelhof-Schöneberg, Spandau, Lichtenberg, Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf.

Welche Aufklärungsquote hat die Berliner Polizei?

Es gibt nur eine berlinweite, der Kriminalitätsatlas nennt keine Quote pro Bezirk. Laut PKS-Kurzbericht lag sie 2025 bei 44,9 Prozent, 0,6 Punkte unter 2024 (45,5 Prozent). Körperverletzungen werden zu rund 79 Prozent aufgeklärt, Diebstähle nur zu 21,1 Prozent.

Wie viele Tatverdächtige in Berlin haben keinen deutschen Pass?

Berlinweit 43,3 Prozent im Jahr 2025, laut PKS-Kurzbericht und ohne ausländerrechtliche Verstöße. 2024 waren es 43,9 Prozent, der Wert ist also leicht gesunken. Wichtig: Gezählt wird nur die Staatsangehörigkeit, nicht der Migrationshintergrund.

Ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in Neukölln höher?

Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht. Die Polizei Berlin schlüsselt Tatverdächtige im Kriminalitätsatlas nicht nach Bezirk und Staatsangehörigkeit auf. Die Berliner Werte einfach auf Neukölln zu übertragen, wäre falsch. Sozialstruktur, Altersverteilung und Tourismus sind hier anders als im Stadtmittel.

Ist Neukölln in den letzten Jahren sicherer geworden?

Leicht, wenn du die Einwohnerzahl berücksichtigst. Die jährlichen Fallzahlen lagen seit 2016 zwischen rund 40.347 und 45.437. Der Wert je 100.000 Einwohner sank von 13.851 (2016) auf 12.555 (2025).

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Jens Rethfeld
Jens Rethfeld
Freier Journalist

Freiberuflicher Journalist, Neuköllner seit der Jahrtausendwende – also noch vor dem großen Hype. Schreibt mit Leidenschaft über seinen Bezirk, ohne die Gentrifizierungsdebatte zu scheuen.

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