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Neukölln stoppt Mikro-Apartments: Eigentümer soll Kurzzeitvermietung beenden

14 winzige Einheiten für bis zu 700€ im Milieuschutz – möglicher Präzedenzfall gegen Investorengeschäfte

Von Jens Rethfeld | 23. Januar 2026
Neukölln stoppt Mikro-Apartments: Eigentümer soll Kurzzeitvermietung beenden © Yasemin Korkmaz

Das Bezirksamt Neukölln schlägt Alarm: Ein Hauseigentümer wird gezwungen, seine Kurzzeitvermietungen zu stoppen. Der Grund sind Mikro-Apartments im Milieuschutzgebiet, und das könnte weitreichende Folgen haben. Wie angespannt die Lage für Mieter im Bezirk ist, zeigt auch der Fall der Wohnungsbewohner in Neukölln ohne Heizung.1

14 Wohnungen wurden in winzige Einheiten aufgeteilt, maximal elf Quadratmeter groß, Miete bis zu 700 Euro monatlich. Wer denkt hier nicht sofort an Geschäftemacherei auf dem Rücken von Wohnungssuchenden?

Was dich erwartet

Das perfekte Geschäftsmodell für Investoren

Was dem Hauseigentümer vorgeworfen wird, ist eigentlich ganz clever kalkuliert: Die Verträge laufen maximal ein Jahr, das heißt, die Mietpreisbremse greift nicht.1 Kurzzeitmieten unterliegen anderen Regeln als reguläre Mietverträge, und das macht sie für Investoren attraktiv. Aber genau das ist das Problem.

Der Bezirk sieht darin einen klaren Verstoß gegen das Gemeinwohl. Nach Auffassung des Bezirks trägt dieses Geschäftsmodell dazu bei, die angestammte Bevölkerung zu verdrängen, genau das, was Milieuschutzgebiete verhindern sollen.

Kampf für bezahlbares Wohnen

Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) hat das klare Ziel: Neukölln soll nicht zur Spielwiese von Investoren werden, die mit Wohnraum Kasse machen.2 Der Bezirk untersagt daher seit Kurzem in Milieuschutzgebieten die möblierte und befristete Vermietung von Neubauwohnungen, und auch der Bau von Mikro-Apartments wird nach Möglichkeit gestoppt.

Ein Präzedenzfall mit großer Bedeutung

Natürlich wehrt sich der Hauseigentümer: Widerspruch beim Bezirk ist bereits eingereicht. Der Stadtrat rechnet damit, dass der Fall vor dem Verwaltungsgericht landet. Und wenn Neukölln gewinnt? Dann könnte das ein Präzedenzfall werden, für alle Berliner Milieuschutzgebiete.

Das wäre ein großer Sieg für die Nachbarschaften, die längst müde sind, zuzusehen, wie ihre Kieze sich verändern. Wohnen ist Menschenrecht, nicht Spekulationsobjekt.

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Jens Rethfeld
Jens Rethfeld
Freier Journalist

Freiberuflicher Journalist, Neuköllner seit der Jahrtausendwende – also noch vor dem großen Hype. Schreibt mit Leidenschaft über seinen Bezirk, ohne die Gentrifizierungsdebatte zu scheuen.

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Leserstimmen
Claudia81 24. Januar 2026, 20:00 Uhr

wie geht es jetzt weiter für die derzeitigen wohnenden in diesen mikro-apartments? Werden sie ersetzt oder haben sie andere rechte? wäre gut zu wissen, was das konkret für die leute bedeutet.

Petra 23. Januar 2026, 18:20 Uhr

Vielen Dank für den klaren Bericht. Gut, dass der Bezirk nicht wegschaut und sich für bezahlbares Wohnen einsetzt.

Kathrin93 23. Januar 2026, 11:10 Uhr

als jemand, der hier seit jahren in neukölln wohnt: genau solche geschäftsmodelle machen die nachbarschaften kaputt. mein tipp an betroffene mieterinnen und mieter: dokumentiert möblierung und laufzeit der verträge und meldet verdächtige angebote dem bezirk, das hilft bei möglichen verfah-ren.

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