Stellt euch vor: Eine Handvoll verkohlter Traubenkerne aus einem 5000 Jahre alten ägyptischen Grab landet in Neukölln und löst eine Debatte über Kolonialismus und Museen aus. Studenten der HTW Berlin haben daraus eine provokante Ausstellung gemacht, die genau hier in unserer Kiezkapelle stattfindet. Dass solche Themen in Neukölln Resonanz finden, passt zu einem Bezirk, in dem mehr als die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund haben.1
„Kernfragen. Grains of Memory“ ist kein trockenes Museumskonzept, sondern ein Weckruf für Neuköllns vielfältige Community. Die Eröffnung feiern sie am Freitag, den 30. Januar 2026, ab 18 Uhr, mit Performance, Snacks und Getränken.2
Traubenkerne mit kolonialer Geschichte
Die Geschichte beginnt mit Georg Schweinfurth, der die Kerne aus einem altägyptischen Grab stahl und sie ins Stadtmuseum Berlin brachte. Nun fragen die Studierenden: Wohin gehören diese Relikte wirklich? Und wie gehen Museen mit solchem Erbe um?
In intensiver Provenienzforschung haben sie mit Ägyptologen, Botanik-Experten und der ägyptischen Diaspora in Berlin gesprochen. Das Ergebnis: Eine Ausstellung, die dekoloniale Perspektiven mit Ethnographie verknüpft und traditionelle Museumserzählungen auf den Kopf stellt.
Neukölln, mit seiner bunten Mischung aus Kulturen, ist der perfekte Ort dafür. Hier, wo Diaspora-Geschichten Alltag sind, wird das koloniale Erbe greifbar und diskussionswürdig.
Kunst, die unter die Haut geht
Filme, zeitgenössische Werke und partizipative Formate laden ein, selbst mitzumachen. Künstler wie Yupanqui Ramos, Julia Emslander und Carlos Sfeir Vottero öffnen neue Blickwinkel auf Migration, Mythos und Museumspolitik.
Ein Open Call hat Stimmen aus der Community eingebunden – von Erklärvideos bis Experteninterviews. Es geht um Empowerment: Wer erzählt die Geschichte der Kerne? Die Studenten oder die Nachkommen der Betroffenen?
Die Ausstellung bricht mit der Deutungshoheit der Museen und schafft Raum für radikale Neuerfindung. In Neukölln, wo Kiez und Welt aufeinandertreffen, fühlt sich das authentisch an.
Eröffnung in der Kiezkapelle: Party mit Tiefgang
Am 30. Januar startete der Abend mit einer Performance von Yupanqui Ramos in der Kiezkapelle an der Hermannstraße 102. Snacks und Getränke sorgen für Kiez-Feeling, Eintritt frei, alle willkommen!
Danach lief die Show täglich von 12 bis 19 Uhr bis zum 8. Februar. Parallel im Ephraim-Palais des Stadtmuseums waren die Kerne als „Objekt des Monats“ vom 1. bis 28. Februar zu sehen.3
Die Studierenden, Jannis Buddatsch, Shantala Chandel, Maike Frick und viele mehr, laden explizit zur Partizipation ein. Interviews? Kein Problem, meldet euch bei [email protected].
Neukölln als Bühne für große Fragen
Warum passt das perfekt in unseren Kiez? Neukölln ist Dreh- und Angelpunkt für Debatten über Herkunft, Identität und Erbe. Hier leben ägyptische Familien, Aktivisten und Künstler, die genau solche Themen atmen.
Die Ausstellung ist kein Fingerzeig, was richtig ist, sie provoziert Diskussion. Museen als Wächter kolonialer Schätze? Zeit für Veränderung, finden die HTW-Studenten unter Leitung von Prof. Dr. Susan Kamel.
Mehr Infos auf mmk.htw-berlin.de oder Instagram @grainsofmemory. Kommt vorbei, lasst euch anstecken, das ist Neukölln-Kultur at its best: Nah, kritisch, lebendig.
Das Kernfragen-Team im Portrait
Zwölf Studierende des Masterstudiengangs Museumsmanagement und -Kommunikation stecken dahinter: Von Maria Pavlova bis Lukas Steinberg. Unterstützt von Lehrbeauftragter Isabel Alvarez und Kooperationspartner Stadtmuseum Berlin.
Sie haben Archive durchforstet, in der Georg-Schweinfurth-Ausstellung recherchiert und Anti-Diskriminierungs-Tagungen besucht. Das Ergebnis: Eine Ausstellung, die Neukölln stolz machen kann.